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Interview mit Josef Glöckl in der F.A.Z.

„Sitzen ist keine menschengerechte Tätigkeit"

Seit vielen Jahren schon bittet die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung in unregelmäßigen Abständen bedeutende und herausragende Unternehmerpersönlichkeiten zum „Unternehmergespräch“. Im August 2017 wurde auch dem aeris-Geschäftsführer Josef Glöckl diese Ehre zu teil, im Unternehmergespräch stellte er sich, aeris und seine aktuellen und zukünftigen Pläne vor.


Mit dem swopper „sorgt der Stuhlhersteller aeris für Aufsehen"  leitet Auto Thiemo Heeg den Artikel ein und liegt damit richtig. Mehr als eine halbe Millionen Mal wurde der swopper bereits in alle Welt verkauft. Der swopper ermöglicht durch seine einzigartige Technologie ein Sitzen in Bewegung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bürostühlen folgt er den Bewegungen seines Benutzers und trainiert so den ganzen Körper. Nicht ganz zu Unrecht nennt der Autor Josef Glöckl einen „Missionar“, denn Glöckl verfolgt tatsächlich eine Mission: Haltungs- und Gesundheitsschäden mit dem richtigen Sitz vorzubeugen. 20 Millionen Deutsche leiden regelmäßig unter Rückenschmerzen, 40 Millionen Fehltage jedes Jahr lassen sich auf Rückenschmerzen zurückführen.

Seit 20 Jahren ist der swopper nun schon auf dem Markt und aeris-Geschäftsführer Glöckl rechnet gegenüber der F.A.Z. vor, dass der Umsatz von aeris „mit Raten zwischen zehn und 15 Prozent“ jährlich wächst. Im Unternehmergespräch erzählt er auch, wie er auf die Idee des swopper kam. Mitte der Achtziger-Jahre führte Glöckl ein Ingenieurs-Büro, aber: „Ich konnte ab 1986 nicht mehr auf einem normalen Stuhl sitzen“.

Obwohl er ein sportlicher Mensch ist, „Viermal in der Woche mach ich auf jeden Fall Sport“, saß Glöckl jahrelang mangels Alternativen auf einem Sitzball, doch der ist für Büros nicht geeignet. Also entwickelte er eine eigene Lösung: den swopper. Josef Glöckl steckte viel Kapital in die Entwicklung des swopper, auch eine pessimistische Auftragsstudie zur Verkaufsprognose des swopper  vor dem Marktstart (gerade einmal 800 swopper pro Jahr wurden vorhergesagt), hielten ihn nicht davon ab, das ehrgeizige Projekt weiterzuverfolgen. Bis 2002 produzierten Partner den swopper, danach übernahm aeris die Produktion in Eigenregie, seit 2007 sogar in eigenen Hallen. Es läuft gut, so Glöckl: „Wir bauen gerade wieder an und erweitern die Produktions- und Lagerfläche“. Dem swopper folgten mit dem swoppster, muvman, 3Dee und oyo bewegte Sitzlösungen, weitere Produkte befinden sich in der Entwicklung.

Doch Josef Glöckl ruht sich nicht auf dem Erfolg von aeris aus. 2016 gründete er das Start-Up active office, das sich zur Aufgabe macht, normale, bewegungsarme Arbeitsplätze in Bewegungsräume zu verwandeln. „Computer und Telefon zwingen uns an einen Arbeitsplatz und halten uns dort fest. Sitzen an sich ist aber keine menschengerechte Tätigkeit“, erklärt Josef Glöckl im F.A.Z. Unternehmergespräch, und weiter: „Ich sage immer: Das ist keine artgerechte Haltung des Menschen im Büro. Tierschützer wären längst auf die Barrikaden gegangen.“ Erst durch natürliche, in die Arbeit integrierte Bewegung kann der Mensch wirklich leistungsfähig sein, neben einer besseren Durchblutung wird der Kreislauf angeregt, die Bandscheiben entlastet und die Muskeln effektiv trainiert.

Während die Wirksamkeit von swopper & Co. bereits wissenschaftlich belegt ist, lässt Josef Glöckl seine active office-Produkte aktuell von Professoren in Studien auf Ihre positiven Folgen untersuchen. Wirtschaftlich setzt Glöckl vor allem auf Mittelständler als Kundschaft, die sich schnell für ein Konzept wie active office entscheiden und dieses integrieren können. Auch die Zusammenarbeit mit Krankenkassen verfolgt Josef Glöckl intensiv. Auch mit 74 steht für ihn fest: Nur wer sich bewegt, kann was bewegen.

 

* Erstveröffentlichung 14. August 2017, Autor Thiemo Heeg © Alle Rechte vorbehalten.
   Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.